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Jeffrey Buder
Warum ich mich für ein Vorstandsamt bewerbe / Was mir wichtig ist:
Nicht nur auf Entwicklungen reagieren, sondern aktiv Orientierung geben.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
vor zwei Jahren hatte ich die Möglichkeit, während einer laufenden Legislaturperiode in den Vorstand der Steuerberaterkammer Berlin einzurücken. Diese Zeit hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig und zugleich wie wirkungsvoll berufspolitische Arbeit sein kann, wenn sie nah an der Praxis der Kolleginnen und Kollegen ausgerichtet ist.
Ich habe die Vorstandsarbeit nicht als formales Ehrenamt verstanden, sondern als konkrete Aufgabe: zuhören, Themen aufnehmen, fachlich mitarbeiten und dort Verantwortung übernehmen, wo unser Berufsstand Unterstützung, Orientierung und eine starke Stimme braucht. Genau diese Arbeit möchte ich in der kommenden regulären Legislaturperiode fortsetzen.
In den vergangenen zwei Jahren durfte ich insbesondere in den Referaten Geldwäscheprävention und Öffentlichkeitsarbeit mitwirken. Die Geldwäscheprävention steht beispielhaft für die zunehmenden regulatorischen Anforderungen an unseren Berufsstand. Sie zeigt, wie wichtig klare Information, praxistaugliche Unterstützung und ein realistischer Blick auf die Belastungen der Kanzleien sind. Die Öffentlichkeitsarbeit wiederum ist entscheidend dafür, wie unser Beruf wahrgenommen wird: von Mandanten, jungen Menschen, Politik, Verwaltung und der breiteren Öffentlichkeit.
Beide Themen haben mir gezeigt: Die Kammer kann dann besonders viel bewirken, wenn sie fachliche Orientierung mit praktischer Umsetzbarkeit verbindet und den Berufsstand sichtbar, modern und geschlossen vertritt. Dazu möchte ich weiterhin beitragen.
Was ich in den Vorstand einbringen möchte
Ich bringe die Perspektive eines Steuerberaters ein, der selbst unternehmerische Verantwortung trägt, Mitarbeitende führt, Mandanten in zunehmend komplexen Fragestellungen berät und die praktischen Herausforderungen einer modernen Kanzlei täglich erlebt. Als Geschäftsführer und Partner zweier Steuerberatungsgesellschaften kenne ich sowohl die Anforderungen klassischer mittelständischer Beratung als auch die Dynamik spezialisierter, international ausgerichteter Beratungsfelder.
Mir ist wichtig, dass die Kammer nicht nur auf Entwicklungen reagiert, sondern aktiv Orientierung gibt. Der Berufsstand steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Digitalisierung, künstliche Intelligenz, steigende regulatorische Anforderungen, Fachkräftemangel, Spezialisierung und ein verändertes Mandantenverständnis. Diese Themen müssen wir nicht abstrakt diskutieren, sondern konkret für die Praxis nutzbar machen.
Mein Ziel ist es, die Interessen der Kolleginnen und Kollegen mit einem klaren Blick für die Realität in den Kanzleien zu vertreten: lösungsorientiert, verlässlich und mit dem Anspruch, dass Kammerarbeit einen spürbaren Mehrwert für den Berufsstand schafft.
Mein Fokus für die kommende Legislaturperiode
1. KI und Digitalisierung: Orientierung geben, Chancen nutzbar machen
Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt schreitet weiter voran. Mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz hat dieses Thema eine neue Qualität erreicht. Viele Tätigkeiten, die heute noch erheblichen manuellen Aufwand binden, werden künftig stärker automatisiert oder durch digitale Prozesse unterstützt. Für unseren Berufsstand ist das keine Randfrage mehr, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe.
Ich sehe KI und Digitalisierung nicht als Bedrohung für die Steuerberatung, sondern als Chance, unsere eigentliche Stärke noch klarer herauszustellen: qualifizierte Beratung, Einordnung komplexer Sachverhalte, persönliche Verantwortung und vertrauensvolle Begleitung der Mandanten. Je mehr Routinen durch Technologie unterstützt werden, desto wichtiger wird die fachliche und persönliche Beratungsleistung des Steuerberaters.
Gleichzeitig brauchen Kanzleien Orientierung. Viele Kolleginnen und Kollegen stellen sich sehr praktische Fragen: Welche Anwendungen sind sinnvoll? Welche Prozesse lassen sich realistisch verbessern? Wo bestehen berufsrechtliche, datenschutzrechtliche oder organisatorische Grenzen? Wie gelingt der Einstieg, ohne Ressourcen zu überfordern?
Ich habe mich in den vergangenen Jahren intensiv mit digitalen Prozessen und KI-Anwendungen befasst, vor allem aus der eigenen beruflichen Praxis heraus. Dabei habe ich vieles getestet, kritisch bewertet und dort eingesetzt, wo es tatsächlich einen Mehrwert bringt. Diese Erfahrungen möchte ich in die Vorstandsarbeit einbringen: als sachlichen Beitrag zur Einordnung digitaler Entwicklungen und zur Unterstützung eines praxisnahen Austauschs innerhalb des Berufsstands. Dabei verstehe ich die Rolle der Kammer vor allem darin, Kolleginnen und Kollegen bei diesen Entwicklungen sachlich zu begleiten: durch Orientierung zu berufsrechtlichen, datenschutzrechtlichen und organisatorischen Fragen, durch praxisnahe Informationsangebote und durch den Austausch von Erfahrungen innerhalb des Berufsstands.
2. Vernetzung und Spezialisierung: Kollegiale Kooperation als Stärke des Berufsstands
Das Steuerrecht wird komplexer, schneller und spezialisierter. Kein Berater und keine Kanzlei kann dauerhaft alle Themen in gleicher Tiefe abdecken. Gleichzeitig erwarten Mandanten belastbare Antworten, kurze Reaktionszeiten und hohe fachliche Qualität. Gerade deshalb wird kollegiale Vernetzung zu einem strategischen Erfolgsfaktor für unseren Berufsstand.
Spezialisierung darf nicht als Abgrenzung verstanden werden, sondern als Chance zur Zusammenarbeit. Wenn klarer sichtbar ist, welche Kolleginnen und Kollegen in welchen Bereichen besondere Erfahrung haben, profitieren alle: Mandanten erhalten gezieltere Unterstützung, Kanzleien können kompetent weiterverweisen oder kooperieren, und der Berufsstand tritt insgesamt leistungsfähiger auf.
Ich möchte mich dafür einsetzen, dass die Kammer den fachlichen Austausch und die Vernetzung zwischen Kolleginnen und Kollegen weiter stärkt.
Gerade in einer Zeit, in der KI-Systeme fachliche Antworten scheinbar schnell erzeugen können, wird die echte berufsständische Expertise noch wichtiger. Wir sollten unsere Kompetenz sichtbarer machen und zugleich die Zusammenarbeit stärken. Nicht jede Kanzlei muss jedes Spezialthema selbst abdecken. Aber der Berufsstand insgesamt sollte in der Lage sein, Mandanten qualifiziert, verlässlich und kollegial zu begleiten.
3. Nachwuchs und Berufsbild: Den Beruf modern, realistisch und attraktiv vermitteln
Die Zukunft unseres Berufsstands entscheidet sich auch daran, ob wir ausreichend qualifizierte Menschen für die Steuerberatung gewinnen. Der Wettbewerb um Talente bleibt anspruchsvoll. Gleichzeitig entstehen durch Digitalisierung, Automatisierung und Veränderungen am Arbeitsmarkt neue Chancen, Menschen für unseren Beruf zu begeistern oder für einen Wechsel in die steuerberatenden Berufe zu gewinnen.
Dafür müssen wir klarer zeigen, was Steuerberatung heute wirklich bedeutet. Unser Beruf besteht nicht nur aus Deklaration, Fristen und Routinen. Er bedeutet Beratung, Verantwortung, wirtschaftliches Verständnis, Nähe zu Unternehmern und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich und verlässlich einzuordnen. Gerade diese Aspekte machen den Beruf attraktiv und zukunftsfähig.
Ein zentrales Missverständnis besteht darin, dass Steuerberatung durch KI ersetzt werden könnte. Nach meiner Überzeugung ist das Gegenteil richtig: KI wird einzelne Prozesse verändern und effizienter machen. Dadurch gewinnt die eigentliche Beratungsleistung an Bedeutung. Wer heute in den Berufsstand eintritt, sollte keine Angst vor Technologie haben, sondern lernen, sie als Werkzeug einzusetzen.
Die Kammer leistet hier bereits einen wertvollen Beitrag. Daran möchte ich anknüpfen und mithelfen, das Berufsbild weiterhin aktiv, modern und realistisch nach außen zu vermitteln: gegenüber Schülerinnen und Schülern, Studierenden, Quereinsteigern, Mitarbeitenden in Kanzleien und der Öffentlichkeit. Wir sollten deutlich machen, dass Steuerberatung ein Beruf mit Perspektive ist: fachlich anspruchsvoll, menschlich relevant und technologisch anschlussfähig.
Meine Motivation
Ich kandidiere nicht, weil ich ein Amt ausüben möchte, sondern weil ich an der weiteren Entwicklung unseres Berufsstands mitarbeiten will. Die vergangenen zwei Jahre im Vorstand haben mir gezeigt, wie wertvoll berufspolitisches Engagement ist, wenn es fachlich fundiert, kollegial und praxisnah erfolgt.
Mir ist wichtig, die Themen aufzugreifen, die Kolleginnen und Kollegen in ihrem beruflichen Alltag tatsächlich beschäftigen: Regulatorik, Digitalisierung, Fachkräftesicherung, Spezialisierung, Sichtbarkeit und die Zukunftsfähigkeit unserer Kanzleien. Dabei möchte ich meine Erfahrung als Steuerberater, Unternehmer, Arbeitgeber und spezialisierter Berater einbringen.
Ich stehe für eine Kammerarbeit, die zuhört, Orientierung gibt und den Berufsstand nach innen wie nach außen stärkt. Verlässlich, sachlich und mit Freude am kollegialen Austausch.
Ich würde mich freuen, die begonnene Arbeit in der kommenden Legislaturperiode fortsetzen zu dürfen, und bitte Sie hierfür um Ihr Vertrauen und Ihre Stimme.